Herrmannsdorfer Landhuhn-Tagebuch

Donnerstag, 7. Oktober 2010


FRANZöSISCHE HüHNER IM STALL

Am vergangenen Mittwoch hat sich unser Hühnerbestand weiter erhöht. 285 kleine Küken sind geschlüpft. Noch kann man sie kaum von Jungtieren der letzten 3 Brutdurchgänge unterscheiden. Wer aber genau hinsieht, bemerkt: Diesen Küken fehlt das Häubchen!

Es handelt sich diesmal nämlich nicht um Sulmtaler Küken sondern um Nachwuchs der Zweinutzungsrasse „Gauloise“ – besser bekannt als „Bresse-Huhn“. Ausgewachsen präsentieren sich diese Hühner ihrer Herkunft entsprechend in den französischen Nationalfarben: Roter Kamm, strahlend weißes Gefieder und blaue Füße.

Warum eine neue Rasse?

Zunächst aus einem ganz praktischen Grund: Wir wollten heuer noch einen Durchgang Hühner großziehen um Ihnen möglichst bald (wieder) Fleisch und Eier anbieten zu können. Unsere Legehennenherde hat jedoch schon Ende August so stark gemausert und das Legen in dem Zusammenhang immer mehr eingestellt, so dass wir nicht mehr genug qualitativ hochwertige Bruteier abnehmen konnten. Und auch von den anderen uns bekannten Züchtern waren zu dieser Jahreszeit keine Sulmtaler Bruteier mehr zu bekommen.

Andererseits konnten die „Bresse-Hühner“, die aus markenrechtlichen Gründen vom Bio-Geflügelzüchter Hetzenecker aufgrund ihrer blauen Füße unter dem Namen „Les Bleues“ vermarktet werden, in einschlägigen Versuchen mit einer für 2-Nutzungsgeflügel sehr guten Futterverwertung punkten. Dise Kennzahl gibt das Verhältnis zwischen Futterverbrauch und Mastendgewicht an – ein in punkto Ressourcenschonung nicht unwesentlicher Aspekt.  Und auch die Legeleistungsdaten klingen interessant.

Daher lag es für uns auf der Hand den Sulmtaler-Bruteier-Engpass sinnvoll zu nutzen und die „Les Bleues“ zu testen, ob sie sich auch als Herrmannsdorfer Landhühner eignen könnten.

Erste Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse sind durchaus vielversprechend. Die Befruchtungsrate der zugekauften Bruteier lag bei 86%, aus 84% der befruchteten Eier sind tatsächlich Küken geschlüpft.  Am 8.Lebenstag brachten die Kleinen im Durchschnitt bereits 78 g auf die Waage. Unsere Sulmtaler-Küken wogen im Vergleich dazu im selben Alter erst 64 g pro Tier. Meiner Beobachtung nach haben Letztere ihre Energie vermehrt in eine rasche Befiederung gesteckt. Die Bresse-Küken hingegen sind heute immer noch sehr „flaumig“ , die ersten Schwungfedern zeigen sich erst im Ansatz. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung!

Gesundheitsvorsorge – Kokzidienimpfung

Apropo „weitere Entwicklung“:  Um diese möglichst nicht mehr durch typische Küken-Krankheiten  zu beeinträchigen (-> siehe Artikel „Aller Anfang ist schwer…“ vom 16.August 2010), haben wir die Tiere diesmal bereits am allerersten Lebenstag gegen Kokzidien geimpft.

Dafür mischt man den Impfstoff  (= Eier von für Hühner nicht gefählichen Kokzidien) mit Wasser und rotem Lebensmittelfarbstoff. Diese Mischung füllt man in eine Sprühflasche und besprüht damit die Küken sofort nachdem man sie aus dem Brutschrank genommen und in eine Kiste unter die Wärmelampe gesetzt hat. Die fein zerstäubte rote Flüssigkeit perlt vom Kükenflaum ab. Diese Tröpfchen erregen sofort die Aufmerksamkeit der Kleinen. Neugierig picken sie danach und nehmen dadurch vollkommen unbewusst den Impfstoff auf. Ab diesem Zeitpunkt beginnt im Körper der jungen Hühner ein Wettlauf. Können sich die abgeschwächten Impfkokzidien schneller vermehren als die in der Natur vorkommenden agressiven Kokzidienstämme so verdrängen sie letztere und die Tiere bleiben gesund.

8 Kommentare


  1. Gerhard S sagt:

    Hallo,
    immer wieder stoße ich auf Parallelen… :-)
    Ich züchte Deutsche Lachshühner, eine wie die Sulmtaler vom aussterben bedrohte alte Zweinutzungsrasse. Auf der Suche nach etwas mehr Leistung bin ich vor ein paar Jahren auch zu Bresse Gauloise gekommen und habe diese ein paar Jahre parallel gezüchtet. Tatsächlich sind deren Legeleistung und Zunahmen besser und auch die Fleischqualität hat mich erfreut.
    Als es aber darum ging, den Aufwand zu reduzieren und auf nur eine Rasse zu setzen, habe ich doch beschlossen, die Gauloise auslaufen zu lassen und weiter auf die Lachse zu setzen.
    Sie legen zwar nicht ganz so gut und wachsen langsamer, aber die Eier (geniale Dotterfarbe ohne zusätzliche Farbstoffe im Futter) schmecken noch besser und das Fleisch ist unvergleichlich!
    Würde mich gerne auch mal mit Ihnen vor Ort unterhalten.
    Einer, der wohl öfter so denkt wie die Leute in Herrmannsdorf. :-)
    Grüße,
    Gerhard

  2. Birgit Bauer sagt:

    Hallo,
    ich möchte gerne Bruteier der LES BLEUES kaufen.
    Verschickt ihr befruchtete Eier?
    Und was kosten sie?
    Würde erst im Frühling wieder brüten.
    Mfg
    Birgit Bauer

  3. Christian Schneider sagt:

    Hallo.

    Ich wollte fragen ob es möglich ist Bruteier von Les Bleues zu erhalten.
    Würde auch durchaus mehr bezahlen als man für ein normales Brutei bezahlt.
    Was ich noch sagen möchte. Ihr habt mich sehr inspiriert und somit habe ich seit 1 Woche meine ersten Sulmtaler küken ausgebrütet um meine Zucht zu starten.
    Als Kombination wären die Les Bleues perfekt. Würde mich sehr freuen wenn dies klappen würde. Wäre mit einer Packung schon zufrieden.

    Danke und Gruß
    Christian Schneider

  4. blogadmin sagt:

    Hallo Herr Schneider,

    toll, dass Sie sich für unsere Hühner interessieren und schon selber in Aktion getreten sind!

    Leider verkaufen wir keine Bruteier. Ich habe aber immer wieder Kunden, die sich im Hofmarkt Konsumeier kaufen und diese selber erfolgreich ausbrüten.

    Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Erfolg für Ihr Hühner-Projekt.

    Beste Grüße aus Herrmannsdorf

    Florentine Rapp
    Projektleitung Herrmannsdorfer Landhuhn

  5. Jule Eder sagt:

    Hi,
    das sind sehr schöne bilder!!!!

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