Herrmannsdorfer Landhuhn-Tagebuch

Dienstag, 20. Juli 2010


„KAMPF DEM AMPFER!“

… lautete das Motto des heutigen Morgens. Im Morgennebel sind wir, die LandwirtInnen des Guts einschließlich den Lehrlingen und PraktikantInnen, unserem Chef, Herrn Karl Schweisfurth, seiner Frau Gudrun und einigen mutigen Kolleginnen aus der Verwaltung, auf’s Kartoffelfeld hinausgefahren um DEM Problemunkraut der Landwirtschaft schlechthin, dem stumpfblättrigen Ampfer (lat. Rumex obtusifolius) den Kampf anzusagen.

  • Der stumpfblättrige Ampfer ist auf den Weiden so unbeliebt weil er von den Tieren aufgrund des hohen Oxalsäuregehalts nicht oder nur im ganz jungen Stadium gefressen wird.
  • Auf den Mähwiesen können die LandwirtInnen ihn nicht leiden, da er mit seinem großen Blattanteil der lange Wasser speichert die Futterkonservierung erschwert und schließlich doch verschmäht im Futtertrog liegen bleibt.
  • Und auf unserem Kartoffelacker nimmt das schnellwüchsige Kraut mit seiner großen Blattmasse den Feldfrüchten wertvollen Platz, Licht, Wasser und Nährstoffe weg und schmälert so den Ernteertrag des Schweine- und Hühnermastfutters.

Leider ist der Ampfer äußerst konkurrenzstark und breitet sich mehr und mehr aus.

  • Mit seinen bis zu 2 m langen Wurzeln kann er sich ausgezeichnet mit Nährstoffen und Wasser versorgen, dass er munter wächst wenn andere Pflanzen längst leiden.
  • Eine Einzelpflanze bildet etwa 7.000 Samen, die vom Wind vertragen werden.
  • Im Boden können diese etwa 40–50 Jahre überleben und keimfähig bleiben.

Was also tun?

In der konventionellen Landwirtschaft wird der Ampfer meist mit chemischen Mitteln bekämpft.

Ihm in der biologischen Landwirtschaft Herr zu werden ist weitaus schwieriger. Im Feldbau kann man ihn, möglichst noch vor der Samenreife, eigentlich nur mit mechanischen Mitteln bekämpfen.

Solange die Feldfrüchte noch jung sind kann man beispielsweise „striegeln“, sprich die jungen Ampferpflanzen mit einem Gestell aus Metallzinken, welches man an den Traktor anhängt, aus der Erde reißen und somit zumindest im Wachstum hemmen.

Sind die Kartoffeln erst mal richtig angewachsen, kann man dem Ampfer nur noch mit bloßen Händen bzw. einem manuell zu bedienenden Ampferstecher zu Leibe rücken.

Glauben Sie mir, die mächtigen Pflanzen samt Wurzelstöcken aus der Erde zu ziehen ist eine ganz schöne Plackerei und die Größe des Felds lässt den Mut leicht sinken. Da hilft nur sich stets bewusst zu machen, dass man Un- bzw. Beikräuter in der biologischen Landwirtschaft nie ganz beseitigen wird können und das das auch nicht der Sinn der Sache ist. Das Ziel ist vielmehr, sie im Zaum zu halten. Und mit vereinten Kräften ist es uns in dieser Morgenstunde doch gelungen den Ampfer zumindest auf einem Teil des Kartoffelfelds ein bisschen Paroli zu bieten.

Wer bei der nächsten „Landpartie“ mitmachen und sich im Sinne der Community Supported Agriculture hautnah ein Bild von der Beikrautdezimierung in der biologischen Landwirtschaft machen möchte , wende sich unter gsellmann@herrmannsdorfer.de an mich!

Ich bin schon mal gespannt, ob sich jemand traut!

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