Herrmannsdorfer Landhuhn-Tagebuch

Mittwoch, 9. Juni 2010


LEHRGELD

In den letzten Tagen haben leider sowohl wir als auch unsere Hühner für unsere beiderseitige Unvorsichtigkeit bezahlt.

Ein Hahn aus der Legehennenschar hat sich in der Dämmerung noch einmal ins Freie gewagt und es verabsäumt zurück in den sicheren Stall zu schlüpfen bevor sich die automatisch gesteuerten Auslaufklappen geschlossen haben. Ich habe das Tier bei meinem abendlichen Rundgang nicht bemerkt, ein Marder leider schon. Diesem ist unser Hahn schließlich zum Opfer gefallen. Am Morgen habe ich das Tier tot und mit nur zwei Bißspuren am Hals im Auslauf gefunden. Während ein Fuchs den Hahn verschleppt und der Habicht das Tier an Ort und Stelle aufgefressen hätte, hat der Marder das mindestens 4 Kilo schwere Huhn einfach ausgesaugt. Schade! Um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden, haben wir nun außerhalb des Geflügelzauns auf ca. 15 cm Höhe einen Draht gespannt der mittels Weidezaungerät unter Strom gesetzt wird.

Verluste hat es leider auch bei den jungen Masthühner gegeben. Kurz nachdem sie die Scheu verloren hatten und den Auslauf kennen und lieben gelernt haben waren sie in ihrem Entdeckungsdrang kaum mehr zu bremsen. Auch unser relativ feinmaschiger Geflügelzaun konnte die kleinen unter ihnen nicht aufhalten. Ein paar von ihnen sind in einem unbemerkten Moment durch die Maschen geschlüpft und haben sich binnen kürzester Zeit bis zu 100 m vom Stall entfernt.

Unglücklicherweise hat der Leiter der Landwirtschaft spontan auf die stabilere Witterung reagiert und genau an diesem Tag Heu gemacht. Der Fahrer der Mähmaschine konnte die kleinen Tiere im hohen Gras natürlich nicht ausmachen. Nun ahnen sie bestimmt , wie so manches dieser Hühner ums Leben gekommen ist…. Jene ausgebüchsten Tiere, die nicht den Schneidemessern zum Opfer gefallen sind, waren so frei natürlich leichte Beute für Füchse und sogar Katzen oder Hunde.

Was lernen wir aus diesem Vorfall? Wir müssen unser Federvieh solange es noch klein ist, noch besser schützen und zwar am besten mit Netzen mit einem Maschenweite von maximal 2 cm. Das Netz muss dicht am Boden verankert werden, sich im Winter nicht von der Schneelast in die Knie zwingen lassen, bei 300 Tieren Flächen von mindestens 600 m² überspannen und … mobil , sprich binnen weniger Stunden auf- und abbaubar bzw. für unterschiedlichste Standorte wie Hanglagen, unebene Böden usw. geeignet sein. Klingt wie die Quadratur des Kreises, nicht? Ist es auch. Schlagartig ist es uns nun bewusst geworden, warum wir kaum je junge Masthühner frei herumlaufen gesehen haben….

Aber wir geben natürlich nicht auf. Provisorisch haben wir vorerst den kleinen Auslauf mit einem feinmaschigen Schutznetz, welches wir mit Heringen im Boden befestigt und sowohl am Stall als auch an Metallstangen um den Zaun befestigt haben, geschützt Gleichzeitig arbeiten wir auf Hochtouren an einem zeltartigen Modell einer Voliere. Natürlich halte ich Sie über unsere Fortschritte diesbezüglich auf dem Laufenden.

Wenn Sie Erfahrung auf dem Gebiet haben und Ideen beisteuern möchten, freue ich mich natürlich sehr über Anregungen!

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